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Neuigkeiten aus dem Präventionsprojekt Glücksspiel

Newsletter 3 | November 2015

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

Wir freuen uns sehr, Ihnen heute den dritten Newsletter des Präventionsprojekts Glücksspiel zusenden zu können!

Die zurückliegenden Wochen haben für die Prävention von Glücksspielsucht viele neue Inhalte zum Vorschein gebracht. Seien das Begegnungen auf Fachveranstaltungen und dem bundesweiten Aktionstag oder rechtliche Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei folgenden Themen:

  • Aktuelles aus dem Präventionsprojekt: Wir sind weiterhin für Sie da! | Werkstattgespräch| Präventionskampagnen | All-in für die Praxis | Aktionstag | Youtube

  • Informationen aus Berlin: Filmprojekt | Spielhallengesetz | verstärkte Kontrollen | Hauptsponsor Hertha BSC

  • Recht und Politik: Entwicklungen auf EU-Ebene | Konzessionsverfahren | Gesetzentwurf Sportbetrug | Rheinland-Pfalz beschließt Änderung des Landesglücksspielgesetzes

  • Blitzlicht: Browsergame Spielfieber 2.0 | Der Spielverderber-Blog | Treppe aufwärts bei den Hofer Filmtagen | Umsatzentwicklung Glücksspielbranche | Gerhard Meyer an der Losbude

  • Forschung: Aufruf zur Forschungsteilnahme | Aktuelle Studien und Berichte

  • Literaturempfehlungen und Veranstaltungshinweise
 

Aktuelles aus dem Präventionsprojekt

 

Wir sind weiterhin für Sie da!

Nach erfolgter Ausschreibung ist die pad gGmbH von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales wieder mit der gesamtstädtischen Prävention von Glücksspielsucht beauftragt worden. Wir freuen uns, mit unserem vielfältigen Angebot weiterhin für Sie da zu sein! 

Auf unserer mehrsprachigen Webseite stellen wir beispielsweise Informationen zur Thematik Glücksspielsucht zur Verfügung und bieten einen Überblick über Beratungs- und Hilfeangebote. Darüber hinaus führen wir zielgruppenspezifische Fachveranstaltungen durch und stellen eine umfassende Materialdatenbank mit Hintergrundtexten zur Verfügung. Die Entwicklung und Durchführung von Kampagnen sowie eine Vermittlung an Informations- und Beratungsstellen im Rahmen unserer Erstberatung für Betroffene und Angehörige runden das Angebot ab. 

 

Einladung zum 10. Berliner Werkstattgespräch

Glücksspieler_innen mit Migrationserfahrung haben ein besonders hohes Risiko, ein krankhaftes Glücksspielverhalten zu entwickeln. Angebote der Suchtprävention richten sich jedoch deutlich seltener an Menschen mit Migrationserfahrung als an die Allgemeinbevölkerung.
Angesichts der Tatsache, dass bisher kaum Informationen über die Gestaltung von präventiven Angeboten für Menschen mit Migrationserfahrungen vorhanden sind, veranstalten wir am 30.11.2015 das 10. Berliner Werkstattgespräch zum Thema Glücksspiel(-sucht) bei Menschen mit Migrationserfahrung.

 


Im Jahr 2013 zeigten knapp 800.000 Menschen in Deutschland ein problematisches oder süchtiges Glücksspielverhalten. Mehr als 75 % der Spieler_innen in ambulanten Suchtberatungsstellen waren den Geldspielautomaten verfallen.

 

Um Glücksspielende mit präventiven Botschaften zu erreichen und schnell eine hohe Aufmerksamkeit zu wecken, wollen wir mit unserer Präventionskampagne nicht moralisch belehren, sondern in erster Linie für die Thematik Glücksspielsucht und Glücksspielrisiken sensibilisieren.

 

Dafür haben wir mit einer Kreativagentur sowie mit den Radiomoderatoren John und Rasheed von JAM FM zusammengearbeitet und vier unkonventionelle Spots entwickelt.
Auf humorvolle Art zeigen die Filme, dass man gegen Geldspielautomaten nicht den Hauch einer Chance hat.

 

Aufgrund der zunehmenden Popularität von Poker wird der Glücksspielcharakter von Spieler_innen zumeist ausgeblendet. Persönliche Chancen und Kompetenzen, das Pokerspiel zu beeinflussen, werden überschätzt.

Dabei hat Poker eine eindeutig ausgeprägte Glücksspielkomponente. Das gesamte Spiel ist darauf ausgelegt, dass die Karten zufällig verteilt werden. Den Spieler_innen ist somit nicht bekannt, welche Karten ihre Mitspielenden erhalten oder welche Karten noch aufgedeckt werden. Letztlich gibt also der Zufall die Karten.

Um diesen Umstand zu visualisieren, werden auf der Postkartenrückseite die Schach- und Pokerweltmeister von 2000 bis 2014 miteinander verglichen. Die Tabelle verdeutlicht, dass beim Poker auf Dauer der Zufall über den Spielausgang entscheidet. Denn während einige Schachweltmeister aufgrund ihrer Kompetenz viele Jahre ihre Titel verteidigen können, gibt es jedes Jahr einen neuen Pokerweltmeister.
Die Postkarte und weitere Materialien können Sie über unseren Bestellservice anfordern.

 

Am 09.10.2015 veranstaltete das Präventionsprojekt Glücksspiel | pad gGmbH in Räumlichkeiten der Universität der Künste Berlin einen Fachtag zur Prävention von Glücksspielsucht. Unter dem Titel „All-in für die Praxis“ bot die Tagung Fachkräften die Möglichkeit, in Theorie und Praxis neue Erkenntnisse rund um das Thema Glücksspielsucht zu gewinnen und bestehendes Expertenwissen zu erweitern.

 

Mit Fachleuten aus den Bereichen Beratung, Bewährungshilfe, Forschung, Jugendarbeit, Justiz, Psychiatrie, Schule, Suchthilfe, Selbsthilfe und Wohnungslosenhilfe wurde das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln fokussiert und Erfahrungen ausgetauscht. Die Tagungsdokumentation steht ab sofort zum Download zur Verfügung.

 

Mittels Fachvorträgen, praxisnahen Workshops und visueller Live-Dokumentation entstanden vielfältige Bearbeitungsmöglichkeiten sowie eine Verbindung zwischen theoretischen Inhalten und persönlicher Arbeitspraxis. 93 % der Teilnehmer_innen gaben an, Erkenntnisse dazugewonnen zu haben und 87 % stimmten der Aussage zu, dass die erhaltenen Informationen einen Nutzen für ihren beruflichen Alltag haben. 

 
 

Im Jahr 2013 zeigten knapp 800.000 Menschen in Deutschland ein problematisches oder süchtiges Glücksspielverhalten. Mehr als 75 % der Spieler_innen in ambulanten Suchtberatungsstellen waren den Geldspielautomaten verfallen. Das Aufstellen von Geldspielautomaten ist neben Spielhallen und Spielbanken auch in gastronomischen Einrichtungen erlaubt.

Das hat zur Folge, dass Imbisse, Kneipen, Café Casinos und zunehmend auch Friseurläden, Bäckereien sowie Tankstellen leichten Zugang zu Geldspielautomaten bieten. Egal an welchem Ort in Berlin man sich gerade aufhält – ein Geldspielautomat befindet sich meist in unmittelbarer Nähe. So berichten mehr als 45 % der Klient_innen der Beratungsstelle Café Beispiellos, dass sie den ersten Kontakt mit Glücksspielen in einer gastronomischen Einrichtung hatten. Besonders für Jugendliche kann das Warten auf den Döner oder die neue hippe Frisur mitunter schnell am Geldspielautomaten enden.


„Die Gefahren, die vom Glücksspiel ausgehen können, werden in der Gesellschaft oftmals unterschätzt. Daher macht ein Aktionstag Sinn, an dem man in jedem Jahr auf die Gefahren hinweisen und das Thema in die Öffentlichkeit rücken kann.“ (Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung)

Anlässlich des Bundesweiten Aktionstages gegen die Glücksspielsucht demonstrierten wir daher gemeinsam mit der Beratungsstelle Café Beispiellos für ein Verbot von Geldspielgeräten in gastronomischen Einrichtungen. Denn aufgrund des parallel laufenden Gastronomiebetriebes fällt es dem Personal dieser Einrichtungen häufig schwer, problematisches oder süchtiges Spielverhalten bei ihren Kunden zu erkennen. Der Jugend- und Spielerschutz wird nur unzureichend kontrolliert und durchgesetzt. Während unserer Demonstration kamen wir mit Passanten über die Frage ‚Geldspielgeräte in der Gastronomie?‘ ins Gespräch und ließen sie abstimmen. Das Ergebnis der Befragung kann man sich in diesem Video anschauen.

 

Nach Facebook und Twitter ist das Präventionsprojekt Glücksspiel seit Kurzem in einem weiteren sozialen Medium vertreten: dem Videoportal Youtube. Hier veröffentlichen wir beispielsweise Videos zu unseren Präventionskampagnen oder geben filmische Einblicke in unsere Arbeit. 

 

Informationen aus Berlin

 

Kurzfilmprojekt "Spieltrip"

Das Projekt Fair Play – Anlaufstelle für Menschen mit Spielsucht sucht für das Kurzfilmprojekt „Spieltrip“ Jugendliche (von Spielsucht Betroffene, Angehörige, Freunde), die Lust haben, an einem Kurzfilm zu diesem Thema zu arbeiten.

Als Drehbuchautor_innen, Schauspieler_innen, Regieassistent_innen und Cutter_innen gehen die Jugendlichen und das Projekt von der Entwicklung der Story bis zur Organisation der Premierenfeier jeden Schritt gemeinsam.


Die Treffen finden zunächst wöchentlich statt, der Film wird in einem Block während der Winterferien (01.-06.02.16) abgedreht. Wer Jugendliche kennt, die gerne Teil dieses Projekts sein und ganz nebenbei noch die Grundlagen des Filmhandwerks erlernen wollen, meldet sich bitte per Email oder telefonisch beim Projekt Fair Play.

 

Verfahrensbeitritt
Derzeit werden beim Bundesverfassungsgericht einige Verfassungsbeschwerden gegen Landesspielhallengesetze behandelt, u.a. gegen das Spielhallengesetz Berlin. Der Berliner Senat folgte nun einer Vorlage von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und trat dem Verfahren bei
Das Land Berlin erhält durch den Beitritt zum Verfahren eine stärkere Stellung und verbesserte Chancen, das Gesetz in Karlsruhe mit eigenen Schriftsätzen oder eigenen Anträgen zu verteidigen. Möglicherweise wird im nächsten Jahr eine Entscheidung fallen.

 

Änderung des Spielhallengesetzes
In Berlin wird derzeit an einer Änderung des Spielhallengesetzes gearbeitet. Die Genehmigungen der bestehenden Spielhallen laufen im nächsten Jahr aus, da eine entsprechende Übergangsfrist des Spielhallengesetzes Berlin endet.
In enger Abstimmung mit anderen Senatsressorts und den Bezirken erarbeitet die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung derzeit einen Gesetzentwurf für die Neuzulassungen von Spielhallen. „Ziel ist ein faires, rechtssicheres und transparentes Verfahren, um die Regelungen des Spielhallengesetzes nach Ablauf der fünfjährigen Übergangsfrist unter Beachtung der Grundrechte der Bestandsbetreiber umzusetzen.“ 

Thomas Breitkopf, Vorsitzender der Automatenkaufleute Berlin und Ostdeutschland e.V., befürchtet hingegen, „dass von insgesamt 500 gewerblichen Spielhallen weniger als 50 übrigbleiben“.

 

Anfang September kontrollierte das Dezernat Gewerbekriminalität des Berliner Landeskriminalamtes alle 600 Spielhallen des Landes. Es sollte überprüft werden, ob die durch das Berliner Spielhallengesetz vorgeschriebene Reduzierung von zwölf auf acht Geldspielgeräte pro Spielhalle erfolgt war. Mit Ausnahme von zwei Spielhallen wurde die Regel beachtet.

Weitaus mehr Ordnungswidrigkeiten und Vergehen stellten Polizisten und Finanzbeamte jedoch bei einer Kontrolle von insgesamt 33 Spielstätten anlässlich des Bundesweiten Aktionstages gegen die Glücksspielsucht fest. Unter den kontrollierten Spielstätten in Mitte und Spandau befanden sich Spielhallen, Wettbüros und so genannte Café-Casinos. Ziel war es, die Einhaltung aller spiel- und steuerrechtlichen Pflichten der Betreiber_innen dieser Spielstätten zu überprüfen.
Überwiegend wurden Verstöße in Wettbüros und Café-Casinos festgestellt. So stellten die Ermittler insgesamt sechs Vergehen wegen der unerlaubten Veranstaltung von Glücksspielen und 82 spiel- und gewerberechtliche Ordnungswidrigkeiten fest. Zudem wurden sieben Spielgeräte beschlagnahmt und weitere sieben Geräte versiegelt oder vom Betreiber abgebaut. 


Berlin will Kampf gegen Café Casinos verschärfen
Wie die Berliner Morgenpost berichtet, will Berlin seinen Kampf gegen die mehr als 6.000 Café Casinos in der Stadt verschärfen. „Wir wollen sie ähnlich behandeln wie Spielhallen“, sagt Daniel Buchholz (MdA) und Stefan Evers (MdA) ergänzt: „Wir sind uns in der Zielsetzung einig, die Café Casinos auszutrocknen.“

 

bet-at-home wird Hauptsponsor von Hertha BSC

Seit August ist der private Sportwettenanbieter bet-at-home neuer Hauptsponsor von Hertha BSC. Der Fußball-Bundesligist erhält bis 2018 jährlich sechs Millionen Euro von bet-at-home und läuft in dieser Zeit mit einer Brustaufschrift des Wettanbieters auf.
Obwohl nach wie vor keine rechtssicheren Lizenzen zur Veranstaltung von Sportwetten vergeben wurden, zeigt sich bet-at-home bezüglich der unklaren Rechtslage unbesorgt: "Wir haben das rechtlich prüfen lassen." 
Die Berliner Zeitung fragt: "Wer hat am Ende mehr vom Sponsoring?" 


Neben Sportwetten werden auf der Internetseite des privaten Wettanbieters auch Casino- und Pokerspiele angeboten. Diese sind gemäß Glücksspielstaatsvertrag jedoch verboten. Daher sah sich das Verwaltungsgericht Berlin veranlasst, eine Verfügung des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) gegen bet-at-home zu bestätigen. Das LABO untersagte dem Wettanbieter die unerlaubte Abhaltung solcher Glücksspiele im Internet in Berlin. Zudem ordnete die Behörde an, Spieler_innen darauf hinzuweisen, dass eine Spielteilnahme an Poker- und Casinospielen im Internet momentan nur in Schleswig-Holstein erlaubt ist. Bet-at-home wurde daher aufgefordert, mithilfe technischer Methoden eine aktive Spielteilnahme von Berlin aus auszuschließen. Zur umfassenden Begründung führte die Behörde unter anderem aus: "Zu einem Verbot gebe es keine Alternative."

 

Recht & Politik

 

Entwicklungen auf EU-Ebene

EU-Pilotverfahren
Ende Juni hat die EU-Kommission hinsichtlich der deutschen Glücksspielgesetzgebung ein Pilotverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Die Kommission stellte eine Reihe konkreter Fragen zu Sportwetten, Online-Casino und -Pokerspielen sowie grundsätzlich zur Kohärenz der deutschen Glücksspielgesetzgebung.
Die Bundesländer hatten bis zum 7. September Zeit, dazu Stellung zu nehmen und den Klärungsbedarf auszuräumen. „Sollten sie diese Bedenken nicht ausräumen können, droht Deutschland wegen der Glücksspielregulierung ein Vertragsverletzungsverfahren“, so Jan Wilmroth in der Süddeutschen Zeitung. 

 

Schlussanträge des EuGH
Als bayerische Behörden eine Vermittlerin von Sportwetten wegen ihrer fehlenden Erlaubnis strafrechtlich belangen wollten, stellte die zuständige Richterin am Amtsgericht Sonthofen beim EuGH ein Vorabentscheidungsersuchen. Sie wollte wissen, ob die glücksspielrechtlichen Regelungen und strafrechtlichen Sanktionierungen mit dem Europarecht vereinbar sind. 

In Reaktion auf das Vorabentscheidungsersuchen hat sich der EuGH-Generalanwalt Szpunar am 22. Oktober 2015 in seinen Schlussanträgen u.a. zum Transparenzgebot und Gleichheitsgrundsatz geäußert, die bei Konzessionsverfahren zu beachten sind (ab Seite 14, Ziffer 69). Ein Urteil des EuGH wird gegen Ende des Jahres erwartet.

 

Dem Bundesland Hessen obliegt laut Glücksspielstaatsvertrag die zentrale Zuständigkeit für die Durchführung eines Verfahrens zur Vergabe von Konzessionen für Sportwettanbieter. Das aufgrund von Eilverfahren vor Erteilung der Konzessionen gestoppte Verfahren, wurde nun in mehreren Gerichtsverhandlungen einer genaueren Bewertung unterzogen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat in einer Entscheidung vom 16. Oktober 2015 festgestellt, dass weiterhin keine Konzessionen für Sportwettanbieter erteilt werden dürfen.


In diesem Zusammenhang wurden Aspekte des durchgeführten Konzessionsverfahrens sowie die demokratische Legitimation des Glücksspielkollegiums hinterfragt. Dem Glücksspielkollegium obliegt gemäß Glücksspielstaatsvertrag die abschließende Beurteilung über die Vergabe der Konzessionen. So heißt es in dem nicht mehr anfechtbaren Urteil des Hessischen Gerichtshofes: „Die Übertragung der verbindlichen Entscheidung über die Vergabe der Konzessionen auf das Glücksspielkollegium widerspreche dem Grundgesetzt. […] Dem Glücksspielkollegium, das als Gesamtheit weder der Aufsicht des Bundes noch der eines Landes unterliege, fehle eine ausreichende demokratische Legitimation“.

 

Die Bundesregierung will zukünftig stärker gegen Sport-Betrug und Spielmanipulation vorgehen. "Bisher war die Strafverfolgung bei der Manipulation von Sportwettkämpfen in der Praxis oft schwer. Es gab eine Strafbarkeitslücke", sagt Christian Lange, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Bisher werden Manipulationen im Sport nicht als eigener Straftatbestand erfasst. Dies soll sich mit dem neuen Gesetz, welches zwischen den beteiligten Ministerien noch abgestimmt wird, ändern. 

 

Ziel der Gesetzesänderung ist eine Stärkung des Jugend- und Spielerschutzes im Kampf gegen die Glücksspielsucht. So werden die Regelungen zur Sperrzeit in Spielhallen auch auf Geldspielgeräte in Gaststätten ausgeweitet. Zwischen 2:00 Uhr und 8:00 dürfen weder Spielhallen geöffnet noch Geldspielgeräte in gastronomischen Einrichtungen zu Nutzung bereit stehen.

Darüber hinaus kündigte Innenminister Roger Lewentz an: 
"In Zukunft können sich Spielerinnen und Spieler mit pathologischem Spielverhalten in einer Spielhalle sperren lassen und erhalten damit für alle Spielhallen im Land ein Zutrittsverbot".

 

Blitzlicht

 

Das Browsergame "Spielfieber - Der Countdown läuft..." wurde auf Basis von Daten aus der Evaluation weiterentwickelt. So wurden neue Elemente wie beispielsweise ein 'Meta-Game' zum Thema Sportwetten in den Spielablauf eingebaut. Spielfieber 2.0 kann sowohl von Fachkräften als Einstieg in die Thematik Glücksspiel(sucht) genutzt als auch von Jugendlichen eigenständig gespielt werden. 

 

Klaus Albers bringt in seinem Blog Therapieansätze und deren Bausteine mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen zusammen. Dadurch erschafft er ein lebensnahes Unterstützungsangebot für Betroffene und Angehörige.

Der Spielverderber belegte beim ERGO Blog Award 2015 den achten Platz.

 

Treppe aufwärts, ein Familiendrama zur Thematik Glücksspielsucht, wurde Ende Oktober auf den Internationalen Hofer Filmtagen präsentiert.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, zu dem Film:"Es ist eine tolle Sache, dass so großartige Schauspieler wie Hanno Koffler, Christian Wolff, Ken Duken und viele andere sich für dieses Filmprojekt engagiert haben. Sie rücken so das Thema Glücksspielsucht in den Blick einer größeren Öffentlichkeit. Erst in den Kinos, dann in den Wohnzimmern und hoffentlich auch breiter im Bewusstsein unserer Gesellschaft. Denn: Glücksspielsucht ist eine Krankheit, an der zu viele Menschen in Deutschland leiden, sei es direkt oder indirekt als Betroffene." 

Angesichts wohlwollender Kritik des Bayerischen Rundfunks und der Spiegel Online Redaktion darf man auf den Kinostart im März/April 2016 gespannt sein. Bis dahin informieren die Filmemacher auf ihrer Facebook-Seite über den aktuellen Stand. 

 


Die auf dem aktuellen statista Branchenreport zu Spiel,- Wett- und Lotteriewesen basierende Abbildung zeigt unter anderem, dass der Umsatz in der Glücksspielbranche in Deutschland laut der Prognose im Jahr 2015 rund 13,54 Milliarden Euro betragen wird.

 

Glücksspielsucht in den Medien

Der Weser Kurier hat gemeinsam mit dem Professor der Uni Bremen und Leiter der Bremer Fachstelle Glücksspielsucht sein Glück an einer Losbude versucht. Dabei hat die Redaktion unter anderem erfahren, dass Gerhard Meyer mit seiner Doktorarbeit mit dem Titel 'Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit: Objekte pathologischen Glücksspiels?' damals eine Kontroverse auslöste und die Automatenindustrie sogar gegen seine Kernaussage klagte. 

 

Forschung

 

Die AG Spielsucht der Charité sucht für eine Studie Glücksspieler_innen zwischen 18 und 65 Jahren, die mindestens einmal pro Woche an Geldspielautomaten spielen. Hintergrund der Studie zum Glücksspielverhalten ist, dass bisher nur wenige Informationen vorliegen wie Glücksspielreize verarbeitet werden. Die Studie umfasst Befragungen durch Fragebögen und experimentelle Untersuchungen, bei der Reaktionen auf bestimmte Spielsituationen betrachtet werden sollen.

Insgesamt wird die Studie ca. 3,5 Stunden in Anspruch nehmen und in Berlin-Adlershof stattfinden. Bei Interesse oder wenn Sie weitere Informationen wünschen, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Charité auf. 

 


Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten fühlen sich durch glücksspielspezifische Werbung stärker zur Teilnahme an Glücksspielen animiert als Menschen mit unproblematischem Glücksspielverhalten.


Hing et al. betonen in ihrer englischsprachigen Studie, wie wachsam Glücksspieler_innen nach einer Therapie besonders in der Umgebung von Medien und Sportevents sein müssen.

Über unsere Materialdatenbank können Sie die Studie abrufen.

 

Ergänzend zum aktuellen Jahresbericht der deutschen Suchthilfestatistik (November 2014) wurden in einer Sonderauswertung Informationen zu Klient_innen mit der Hauptdiagnose Glücksspielsucht zusammengestellt.

Inhalte sind unter anderem Daten zu folgenden Themen: 

  • Soziographischer Hintergrund
  • Ausbildung und Erwerbstätigkeit
  • Substanzen und Substanzkonsum
  • Beratung und Behandlung
 

Literaturempfehlungen

 

Die Landeskoordinationsstelle Glücksspielsucht in Sachsen-Anhalt veranstaltete am 21.10.2015 die Fachtagung unter dem Titel: "LEGAL, ILLEGAL, SCHEIßEGAL – Jugendliche im Sog von Online(glücks)spielen".
Die Tagungsdokumentation steht inzwischen zum Download bereit.

 

Das Jahrbuch Sucht 2015 fasst unter anderem die neuesten Statistiken zum Konsum von Alkohol, Tabak, Arzneimitteln, illegalen Drogen sowie zu Glücksspiel, Delikten unter Alkoholeinfluss und Suchtmitteln im Straßenverkehr zusammen. 

Gerhard Meyer geht in seinem Kapitel zu Zahlen und Fakten des Glücksspiels auf folgende Themen ein: 

  • Umsätze des Glücksspiel-Marktes, 
  • Prävention, 
  • Pathologisches Spielverhalten, 
  • Anzahl problematischer und pathologischer Spieler_innen, 
  • Verschuldung sowie 
  • Betreuungsverläufe von Klient_innen der Suchtberatungsstellen 2013
 

Die aktuelle Zeitschrift Sucht veröffentlicht zahlreiche Kommentare zu dem Editorial 'ICD-11 - Was können Suchtforschung und Suchttherapie erwarten?' von Karl Mann und Hans-Jürgen Rumpf. Zu den zentral diskutierten Themen gehören das Auseinanderdriften der beiden Klassifikationssysteme und die Trennung zwischen Abhängigkeit und schädlichem Gebrauch. 

Die Kommentare folgender Autor_innen sind in der Zeitschrift Sucht (61 (5), 323-333) erschienen: 

  • Gerhard Gmel: ICD-11 - Die Trennung von der Forschung. Applaus der Kliniker
  • Joachim Köhler: ICD-11 - Position der Deutschen Rentenversicherung
  • Dietmar Kramer, Volkeer Weissinger: ICD-11 - Erwartungen an eine bedarfsgerechte Klassifikation aus klinischer Sicht
  • Johannes Lindenmeyer: ICD-11 - Landkarten sind keine Landschaften
  • Gerhard Meyer: Klassifikation des Pathologischen Spielens unter Störungen der Impulskontrolle in der ICD-11. Ein folgenschwerer Rückschritt
  • Ulrich W. Preuss: Diagnostiksysteme sind  kein Credo - Stärken und Schwächen aktueller Entwicklungen in ICD und DSM
  • Florian Rehbein: Wir brauchen eine zukunftsfähige und bedarfsgerechte ICD-11, die relevante Verhaltenssüchte nicht länger unter den Impulskontrollstörungen versteckt
  • Ber te Wildt, Astrid Müller: Sollen die Verhaltenssüchte das Impulskontrollstörungen-Kapitel für die ICD-11 retten?
  • Ambos Uchtenhagen: Hohe Erwartungen an ICD-11
  • Friedrich Martin Wurst: Konvergenz statt Auseinanderdriften
 

Die Abhängigkeit zwischen Wirtschaft und Sport wächst - zu diesem Schluss gelangt eine Studie der Agentur Repucom. Demnach wurden im Jahr 2014 rund drei Milliarden Euro für Sponsoring in Deutschland ausgegeben. Mehr als 60 % verfielen auf den Bereich Sport.

"Auch in Zukunft wird der Sport das bedeutendste Sponsoringumfeld für kommerzielle Werber sein".

Es kann also damit gerechnet werden, dass auch Glücksspiel-Anbieter weiterhin gezielte Werbung nutzen werden, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, Kunden zu binden und neue Zielgruppen zu erschließen.

 

Kai und Gisela Sender erzählen, wie sie die Krise bewältigt haben, in die sie Kais Glücksspielsucht gestürzt hat. Kai zeigt sein Tagebuch einer stationären Therapie und des ersten Jahres danach. Was hat er in der Therapie für sich entdeckt und wie ging es Zuhause weiter: In der Ehe, in der Selbsthilfegruppe und in der Öffentlichkeit? 

Gisela berichtet aus ihrem Blickwinkel. Warum hat sie nicht mitbekommen, dass ihr Mann glücksspielsüchtig war? Was hat sie für sich gelernt? Und wie gehen beide heute mit der Glücksspielsucht um?

 

Veranstaltungshinweise

 
17.11.2015
26.11.2015
30.11.2015
03.-04.12.2015
09.-10.03.2016
Symposium Glücksspiel (Veranstaltungsort: Hohenheim) 
22.06.2016
7. Bayerischer Fachkongress Glücksspiel (Veranstaltungsort: München)  
 
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