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Neuigkeiten aus dem Präventionsprojekt Glücksspiel

Newsletter 7 | Dezember 2016

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns und bietet Anlass, nochmals Rückschau zu halten auf die kleinen und großen Dinge, welche die Prävention von Glücksspielsucht im Jahr 2016 bewegt haben.

 

Neben den politischen Ereignissen - der Verschärfung des Berliner Spielhallengesetzes, EuGH Entscheidungen zum Sportwetten-Konzessionsverfahren und geplanten Veränderungen des Glücksspielstaatsvertrages - haben die Koordinierungsstellen der Länder eine Vielzahl neuer Materialien zur Prävention von Glücksspielsucht entwickelt.


Wir bedanken uns bei all denjenigen, die mit ihren Angeboten und Ideen für mögliche Glücksspielrisiken sensibilisieren. Wir freuen uns auf gemeinsame zukünftige Projekte und hoffen, dass das Präventionsprojekt Glücksspiel | pad gGmbH auch 2017 ein guter und verlässlicher Kooperationspartner für Sie sein wird. Mit einem Jahresrückblick-Video nutzen wir die Gelegenheit, um auf das Erreichte in 2016 zu schauen und wünschen Ihnen schöne Feiertage!

Der Newsletter umfasst folgende Themen:

  • Aktuelles aus dem Präventionsprojekt:
    Jahresrückblick | Runder Tisch "Migrationserfahrung & Glücksspielsucht" | WhatsApp-Beratung | Bundesweiter Aktionstag | Flyer für Ärzt_innen & Therapeut_innen | Präventionspostkarten Poker und Sportwetten

  • Informationen aus Berlin:
    Online-Plattform der Charité | Fremdsprachige Beratung im Café Beispiellos |Berliner Spielhallengesetz | Kontrollen in Café-Casinos und Spielhallen

  • Recht und Politik:
    Änderung des Glücksspielstaatsvertrages | Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden | Beschwerde gegen EU-Kommission

  • Blitzlicht:
    Polnisch- und russischsprachige Beratung | App PlayOff | Broschüre zu Sportwetten | Erklärvideo zu Sportwetten

  • Glücksspielsucht in den Medien:
    Frag ein Klischee | Dokumentarfilm Glück.Spiel.Sucht | Musikalische Projekte
  • Forschung:
    Migrationshintergrund und pathologisches Glücksspielen | Warum werden junge Männer zu Spielern? | Empirische Befunde zu Beeinflussungsversuchen bei Schiedsrichtern im Amateurfußball
  • Literaturempfehlungen und Veranstaltungshinweise
 

Aktuelles aus dem Präventionsprojekt

 
 


Am 24.11.2016 veranstaltete das Präventionsprojekt Glücksspiel | pad gGmbH einen Runden Tisch zum Thema Migrationserfahrung und Glücksspielsucht.
Politische und gesellschaftliche Akteure erarbeiteten Strategien für migrationssensible Prävention von Glücksspielsucht und vernetzen sich untereinander. 


Der Runde Tisch wird zukünftig in einem vierteljährlichen Rhythmus stattfinden. Interessierte sind herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen einzubringen und wenden sich für weitere Informationen bitte an das Präventionsprojekt Glücksspiel.

 

Anlässlich des Bundesweiten Aktionstages gegen die Glücksspielsucht startete das Präventionsprojekt Glücksspiel am 28.09.16 seine WhatsApp-Beratung zum Thema Glücksspielsucht für Jugendliche und junge Erwachsene.
Unter +49 152-56 18 02 85 gibt es Informationen rund um das Thema Glücksspielsucht und eine Erstberatung sowie hilfreiche Links und (Hilfe-) Adressen. 

„Ich freue mich sehr über dieses innovative Präventionsangebot für junge Menschen“, so Christine Köhler-Azara, Drogenbeauftragte des Landes Berlin. „Die niedrigschwellige WhatsApp-Beratung kann dazu beitragen, dass sie glücksspielbezogene Risiken bewusster wahrnehmen und bei Bedarf einen einfachen und frühzeitigen Kontakt zu Hilfemöglichkeiten finden.“

Informationskarten zur WhatsApp-Beratung können Sie über das Bestellportal anfordern. 

 


Anlässlich des Bundesweiten Aktionstages sensibilisierte das Präventionsprojekt weiterhin für ein verantwortungsvolles Spielverhalten und die Möglichkeit der Selbstsperre. 

 

In unmittelbarer Nähe zahlreicher Spielhallen und der Spielbank Berlin in der Hasenheide konnten Passanten auf einer riesigen Bodenzeitung ihre Gedanken zu Glücksspiel-Risiken äußern und erhielten kostenlose USB-Sticks mit Sperrformularen.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Pressemitteilung.

 

In Kooperation mit der AG Spielsucht, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat das Präventionsprojekt Glücksspiel den Flyer Glücksspielsucht erkennen und handeln - eine Information für Ärzt_innen und Therapeut_innen entwickelt. 

Der Flyer kann kostenfrei heruntergeladen oder bestellt werden. 

 

Poker hat sich in den letzten Jahren weit verbreitet. Aufgrund der zunehmenden Popularität – auch in Folge öffentlichkeitswirksamer Werbung durch Prominente – wird der Glücksspielcharakter von Spielenden zumeist ausgeblendet. Persönliche Chancen und Kompetenzen, das Pokerspiel zu beeinflussen, werden folglich oft überschätzt.


Dabei hat Poker eine eindeutig ausgeprägte Glücksspielkomponente. Das gesamte Spiel ist darauf ausgelegt, dass die Karten zufällig verteilt werden. Den Spieler_innen ist somit nicht bekannt, welche Karten ihre Mitspielenden erhalten oder welche Karten noch aufgedeckt werden. Letztlich gibt also der Zufall die Karten. 


Um diesen Umstand zu visualisieren, werden auf der Postkartenrückseite die Schach- und Pokerweltmeister von 2000 bis 2014 miteinander verglichen. Die Tabelle verdeutlicht, dass beim Poker auf Dauer der Zufall über den Spielausgang entscheidet. Denn während einige Schachweltmeister aufgrund ihrer Kompetenz viele Jahre ihre Titel verteidigen können, gibt es jedes Jahr einen neuen Pokerweltmeister.

Die Präventionspostkarten sind auf deutsch, arabisch und türkisch erhältlich.

 

Das Wetten auf sportliche Ereignisse reizt viele Menschen. Bei geringen Wetteinsätzen stehen Spaß und Spannung im Vordergrund. Aktuelle Studien belegen jedoch die hohe Suchtgefahr dieser Spiele und dass besonders 18-20-jährige Männer mit Migrationshintergrund gefährdet sind. Dabei ist vor allem der Anstieg der Teilnahme an illegalen Sportwetten besorgniserregend. 


Um auf das Suchtpotenzial von Sportwetten aufmerksam zu machen, hat das Präventionsprojekt Glücksspiel daher neue Postkarten und Plakate in deutscher, arabischer sowie türkischer Sprache entwickelt. Mit dem Titel "Sportwetten machen reich! Aber nicht dich! zeigen die Karten und Plakate ein Motiv des Comiczeichners Helge Vogt und sprechen so vor allem junge Leute an.


Das Material wurde an zahlreiche Berliner Sportvereine verschickt, über Edgar Freecards in Restaurants, Bars sowie Kinos verteilt und darüber hinaus im deutsch-türkischen Stadtmagazin Hey Berlin veröffentlicht. 

 

Informationen aus Berlin

 

Online-Plattform der Charité bietet Hilfe für Glücksspielsüchtige und exzessive Internetnutzer_innen


Aktuellen Studien zufolge sind fast eine Million Menschen in Deutschland Glücksspielsüchtige und exzessive Internetnutzer_innen.

Um Betroffenen und Angehörigen die Suche nach geeigneten Unterstützungsangeboten in Berlin zu erleichtern, hat die AG Spielsucht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité eine Online-Datenbank entwickelt, die von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin gefördert wird. 


Die Plattform Spielsucht-Hilfe-Berlin bietet einen Überblick zu Kontaktdaten von Beratungsstellen, niedergelassenen Psychotherapeuten sowie Selbsthilfegruppen und informiert über konkrete Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus haben Fachkräfte die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen.

 

Ab sofort bietet das Café Beispiellos Einzelberatung auch in russischer, italienischer und englischer Sprache an. Sollte Beratung in einer anderen Sprache benötigt werden, können die Mitarbeiter_innen der Beratungsstelle kontaktiert werden. Sie bemühen sich, gemeinsam eine/einen Dolmetscher_in zu organisieren, damit eine Beratung in der Muttersprache wahrgenommen werden kann.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Café Beispiellos

 

Verschärfung des Berliner Spielhallengesetzes: Eine Bilanz

Zum 31. Juli 2016 endete für bestehende Spielhallen in Berlin der Bestandsschutz. Spielhallen, für die kein rechtzeitiger, vollständiger Antrag gestellt worden ist, verfügen daher seit dem 01. August 2016 über keine Erlaubnis mehr. Insgesamt haben die Bezirke 498 Anträge für eine neue Erlaubnis entgegengenommen. Dies geht aus einer schriftlichen Anfrage an den Berliner Senat hervor.

Was Spielhallenbetreiber_innen passieren kann, wenn sie eine Spielhalle ohne Genehmigung betreiben, wird an einem Fall aus dem Bezirk Mitte deutlich. Das Ordnungsamt erklärte das erzielte Vermögen einer illegalen Spielhalle für verfallen, sodass der Betreiber eine Geldbuße in Höhe von 1.500 € und im Rahmen der Vermögensabschöpfung eine Summe in Höhe von 40.000 € zahlen musste.


Künftig müssen Spielhallen mindestens 200 Meter Abstand zu Oberschulen und 500 Meter Abstand zu anderen Spielhallen einhalten. An Mehrfachstandorten mit mehr als einer Spielhalle in einem Gebäude muss über die Hälfte der Spielhallen schließen.


Die Glücksspielbranche reagierte flexibel auf diese gesetzliche Veränderung und eröffnet in den Räumlichkeiten der schließenden Spielhallen inzwischen Wettbüros. Um diesem Trend zu begegnet und auch den Jugendschutz in Wettvermittlungsstellen zu gewährleisten, trat im Juli 2016 das Gesetz zur Harmonisierung glücksspielrechtlicher Mindestabstandsvorschriften in Kraft. Daniel Buchholz (MdA) erklärte dazu: „Das, was wir an Mindestabständen zwischen Spielhallen definieren, gilt jetzt auch in Analogie  für Wettbüros“. Demnach müssen Wettvermittlungsstellen mindestens 200 Meter Abstand zu Oberschulen, 500 Meter Abstand zu anderen Wettvermittlungsstellen sowie 500 Meter Abstand zu Spielbanken einhalten.

Aus einer schriftlichen Anfrage an den Berliner Senat geht jedoch hervor, dass die betreffenden Regelungen des Gesetzes zur Harmonisierung glücksspielrechtlicher Mindestabstandsvorschriften aktuell praktisch kaum Auswirkungen auf bestehende Wettbüros haben. „So sind beispielsweise die Regelungen zu den Mindestabständen zwischen den „Wettbüros“ untereinander […] ohne ein Verfahren zur Bestimmung des vorrangig zu legalisierenden „Wettbüros“ […] nicht umsetzbar; ein derartiges Verfahren wird nach Einschätzung des Senats erst nach Auflösung des aktuellen Stillstandes bei der Vergabe der Sportwettveranstaltungskonzessionen […] zur Verfügung stehen.“

 

Die vom Berliner Landesgesetzgeber eingeführten Beschränkungen für die Erlaubnis und den Betrieb von Spielhallen verstoßen nicht gegen Verfassungs- oder Unionsrecht. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am 16.12.2016 in Leipzig entschieden.


Zu entscheiden hatte das höchste deutsche Verwaltungsgericht über Klagen von mehreren Spielhallenbetreibern, die das Gesetz bzw. einzelne seiner Regelungen für rechtswidrig und unwirksam hielten. Sämtliche Klagen waren in den beiden Vorinstanzen abgewiesen worden. Die Revisionen der Kläger_innen blieben jedoch ohne Erfolg.

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass die Länder sämtliche Voraussetzungen für die Erlaubnis von Spielhallen und die Art und Weise ihres Betriebs regeln dürfen.

 

Der Anteil der festgestellten Verstöße gegen das Rauchverbot in Berliner Spielhallen ist im Vergleich zu den sonst bei Spielhallenkontrollen festgestellten Verstößen eher gering. Dies geht aus einer schriftlichen Anfrage an den Berliner Senat hervor. 

Gegen Besucher_innen von Spielhallen, die rauchend angetroffen werden, kann ein Verwarn- oder Bußgeld in Höhe von maximal 100 € verhängt werden. Das Regelbußgeld liegt in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Lichtenberg, Mitte und Neukölln jedoch lediglich zwischen 35 € und 50 € maximal. 

Gegen das Aufsichtspersonal von Spielhallen, das den Besucher_innen das Rauchen in Spielhallen nicht nachhaltig untersagt, kann ein Verwarn- oder Bußgeld in Höhe von maximal 1.000 € verhängt werden. Das Regelbußgeld liegt zum Beispiel in den Bezirken Mitte und Neukölln jedoch nur zwischen 150 € und 200 €. Lediglich in festgestellten Wiederholungsfällen wird der Bußgeldrahmen von den Ordnungsämtern stärker ausgeschöpft.

 

Kontrollen in Café-Casinos und Spielhallen

Gesetze sind nur so gut wie ihre praktische Umsetzung. Deshalb wurden gemäß einer schriftlichen Anfrage seit April 2016 91 Spielstätten mit besonderem Augenmerk auf sogenannte „Café-Casinos“ kontrolliert. Folgende Verstöße wurden festgestellt: 

Straftaten: 35

  • davon illegales Glücksspiel 29
  • davon sonstige 6

Ordnungswidrigkeiten: 174

  • davon SpielhG Bln 30
  • davon Spielverordnung 49
  • davon Gewerbeordnung 21
  • davon Gaststättengesetz 4
  • davon Nichtraucherschutzgesetz 12
  • davon Preisangabenverordnung 22
  • davon Jugendschutzgesetz 9
  • davon sonstige 27

 

Weiterhin führte die Berliner Polizei im November eine großangelegte Razzia gegen die Veranstalter_innen von illegalen Glücksspielen durch. Dabei durchsuchten die Polizist_innen im Berliner Bezirk Neukölln mehrere Gaststätten, die Wohnungen der Betreiber_innen sowie deren Autos. Im Zuge dieser Razzia stellte die Polizei, neben 30 manipulierten Spielautomaten, eine sechsstellige Bargeldsumme sowie eimerweise Münzgeld aus Spielautomaten sicher. Auch Drogen und Waffen wurden gefunden.

 

Recht & Politik

 

Die Regierungschefs der Länder haben sich über folgende Änderungen beim Glücksspielstaatsvertrag verständigt:

  • Die Begrenzung der Konzessionen für Sportwetten von 20 soll aufgehoben werden. Konzessionen sollen künftig anhand von qualitativen Mindeststandards vergeben werden.
  • Die obersten Glücksspielaufsichtsbehörden werden gebeten näher zu prüfen und zu berichten, wie der Vollzug gegenüber illegalen Online-Glücksspielangeboten (insbesondere illegalen Lotterieangeboten, Sportwettenangeboten, Online-Casinoangeboten) kurz- und mittelfristig nachhaltig verbessert werden kann.
  • Die obersten Glücksspielaufsichtsbehörden werden gebeten, bei der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages auch die Vereinfachung der Identifizierung und Authentifizierung der Spieler im Internet, den Ersatz des monatlichen Einsatzlimits im Internet von 1.000 EUR durch ein Verlustlimit von 1.000 EUR und die Nutzung der bundesweiten Sperrdatei bei weiteren Glücksspielen zu prüfen.
  • Darüber hinaus werden die obersten Glücksspielaufsichtsbehörden gebeten, die aktuelle tatsächliche Entwicklung im Bereich von Online-Casinoangeboten zu analysieren und unter Berücksichtigung der Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zu prüfen, welche regulatorischen Maßnahmen dazu beitragen könnten, die Ziele des Glücksspielstaatsvertrages in diesem Bereich besser zu erreichen.

Der Entwurf „Zweiter Staatsvertrag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrages“ sieht ein Inkrafttreten zum 01.01.2018 vor, wenn bis dahin alle Ratifikationsurkunden der Bundesländer vorliegen.

 

Gemäß Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden hatte der deutsche Glücksspielmarkt im Jahr 2015, gemessen an den Bruttospielerträgen, ein Volumen von insgesamt 12.718 Mio. €. Davon besaß der regulierte Markt 82 % und der Schwarzmarkt einen Anteil von 18 %. Da das Sportwetten-Konzessionsverfahren bis dato noch nicht abgeschlossen ist, werden Sportwetten von privaten Anbietern in diesem Report noch zum nicht-regulierten Markt gezählt.


Gegenüber dem Vorjahr wurden die Bruttospielerträge im regulierten Markt um 4 % und im nicht-regulierten Markt um 30 % gesteigert. Die Entwicklungen des deutschen Glücksspielmarktes in den letzten Jahren können Sie der Abbildung entnehmen.

 

Private Wettanbieter reichen Beschwerde gegen EU-Kommission wegen Untätigkeit ein

Insgesamt sieben Verbände, darunter der Deutsche Sportwettenverband, haben sich der „Wirtschafts Woche“ zufolge bei der Europäischen Ombudsfrau Emily O’Reilly über die Untätigkeit der EU-Kommission im Vorgehen gegen staatliche Wettmonopole beschwert. In dem Schreiben beklagt die Branche, die EU-Kommission habe „seit 2014 keine Schritte unternommen, um die wiederholten Verstöße von Mitgliedsstaaten gegen EU-Recht anzugehen“.

Hintergrund dieser Beschwerde ist der Umstand, dass die EU-Kommission bisher kein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hat, obwohl der Europäische Gerichtshof bereits im Februar festgestellt hatte, dass der deutsche Glücksspielstaatsvertrag gegen EU-Recht verstößt.

 

Blitzlicht

 

Polnisch- und russischsprachige Beratung bei Glücksspiel-Problemen

Die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) bietet kostenfreie und anonyme Hilfe bei Problemen mit Glücksspielen.

Unter der Koordination der NLS bietet die Drobs Hannover seit 2012 eine bundesweit telefonische Sprechstunde für russischsprachige Glücksspieler_innen und ihre Angehörigen an. Die Angebotszeiten der Hotline wurden verändert, sodass die Sprechstunde seit Oktober jeden Montag 15:00-17:00 Uhr unter 0511/70 14 664 zu erreichen ist. 

 

Darüber hinaus bietet die Caritas Osnabrück unter der Koordination der NLS eine polnischsprachige Beratung über Hilfemöglichkeiten in Deutschland an. Das Angebot richtet sich an polnische Mitbürger_innen, die Probleme mit Glücksspielen haben sowie deren Angehörige. Die Sprechstunde findet dienstags 15:00 – 17:00 Uhr und nach Vereinbarung statt.

 

Die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern hat eine kostenlose App für Nutzer_innen von Glücksspielen entwickelt, die ihr Spielen entweder komplett beenden oder kontrolliert und in einem persönlich festgelegten Ausmaß weiterspielen möchten.

Die App bietet zahlreiche Features wie eine Tagebuchfunktion und einen Wochenplan zur Auswertung des eigenen Spielverhaltens. PlayOff kann für alle iOS- und Android-Geräte kostenlos heruntergeladen werden.

 

Die Fachstelle „Prävention der Glücksspielsucht“ RLP im Büro für Suchtprävention der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) hat eine Informationsbroschüre zum Thema Sportwetten herausgebracht.

Die Broschüre richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. In leicht verständlicher Sprache wird darüber aufgeklärt, was Sportwetten sind und welche Gefahren sich aus dem Wetten ergeben. Anhand einer übersichtlichen Auflistung von Symptomen der Glücksspielsucht können Leser_innen einschätzen, wie problematisch der eigene Umgang mit Glücksspielen ist und Informationen über Hilfeangebote bekommen.

 

„Sportexperte = Wettexperte?“ ist ein sogenanntes Erklärvideo, das in Zusammenarbeit von der Thüringer Fachstelle Glücksspielsucht (fdr+e.V.), der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht Niedersachsen (NLS) und der Landeskoordinierungsstelle Hessen (HLS e.V.) konzipiert und entwickelt wurde.

 

Es richtet sich vor allem an sport- und fußballbegeisterte junge Männer. Das Video vermittelt in 95 Sekunden die Anreize und zugleich Risiken von Sportwetten. In einfacher Sprache fördert es mit animierten Bildern die Sensibilität und Aufmerksamkeit für das Thema Sportwetten und zeigt die oft vorhandene Kompetenzüberschätzung der Wetter sowie die damit verbundenen Risiken auf. Zusätzlich gibt es Hinweise auf Informationsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote.

Das Erklärvideo ist in 3 Sprachversionen abrufbar: deutsch, arabisch und türkisch.

 

Glücksspielsucht in den Medien

 

Für das Format „Frag ein Klischee“ konfrontiert die Süddeutsche Zeitung wöchentlich einen Menschen mit Vorurteilen und bekommt erfrischend ehrliche Antworten.

In diesem konkreten Fall gibt Harry Antworten zu der Frage, was er durch seine Spielsucht verloren hat.

 

16 Deutschschweizer Kantone lancierten am 24. Oktober 2016 eine Sensibilisierungskampagne zu den Risiken des Glücksspiels. Kernelement der Kampagne ist der Dokumentarfilm – Glück.Spiel.Sucht., in dem drei ehemalige Glücksspielsüchtige berührend über ihre persönlichen Erfahrungen berichten und so das Tabu der Sucht brechen. Hier finden Sie Hintergrundinformationen zur Kampagne.

 

Der Arbeitskreis Spielsucht e.V. stellt auf seiner Seite die zwei musikalischen Projekte 'Spieler sucht Glück' und 'Endstation Leben' vor.

 

Forschung

 

Rumpf, H.-J. et al. kommen zu dem Ergebnis, dass die Lebenszeitprävalenz von Symptomen pathologischen Glücksspiels 18,1% für Menschen der Herkunftsregion Türkei, 9,0% für die der Herkunftsregion Jugoslawien und 6,8% für jene ohne Migrationshintergrund beträgt.

Die Menschen der Herkunftsregion Türkei und Jugoslawien hatten eine um 70,3% bzw. 87,2% erhöhte Anzahl von Symptomen pathologischen Glücksspiels.

Es wird daher geschlussfolgert, dass die Herkunftsregion einen eigenständigen Beitrag für die Erklärung von pathologischer Glücksspielsucht leisten könnte.

 

Warum werden junge Männer zu Spielern? Eine mögliche Erklärung liefert die Münchner „Freizeit-Studie“: Nach Pawel Sleczka vom Münchner Institut für Therapieforschung (IFT) ist Glücksspielen mit Stress und stressauslösenden Ereignissen assoziiert. Den Betroffenen mangelt es offenbar an der Fähigkeit zum „funktionellen Handlungsaufschub“, weshalb sie in stressreichen Situationen voreilig agieren.

Im Rahmen der seit Januar 2014 laufenden Studie haben insgesamt 2.693 Personen an einer Querschnittsbefragung teilgenommen.

 

Rullang, C. et al. gehen in ihrer Studie der Frage nach, wie häufig in deutschen Amateurfußballligen versucht wird, Einfluss auf den Schiedsrichter und dessen Entscheidungen zu nehmen.

Daten aus der groß angelegten Schiedsrichterbefragung (n = 4.813) zeigen, dass rund 10 % der Schiedsrichter im Amateurbereich bereits angesprochen wurden und durch das Anbieten von Geld oder Sachleistungen versucht wurde, Einfluss auf sie und ihre Entscheidungen zu nehmen.

 

Literaturempfehlungen

 

Der Autor Veit Wennhak spricht sich in seinem Beitrag für den dritten alternativen Drogen- und Suchtbericht für ein System der Frühintervention aus. Er ist der Meinung, dass das Suchthilfesystem auf die Herausforderungen reagieren müsse, „wenn Jugendschutz und Spieler_innenschutz beim Glücksspiel offenkundig an ihre Grenzen stoßen“. Weiterhin sollte das Angebot ressourcenorientiert und akzeptierend sowie geschlechtersensibel gestaltet sein. 

 

Die Zeitschrift proJugend ist im November zum Thema Sportwetten und Jugendliche erschienen und umfasst folgende Beiträge 

 

 Dr. Tobias Hayer plädiert in seinem Artikel in der Zeitschrift für Wett- und Glücksspielrecht für eine Verknappung des Glücksspiel-Angebotes. Er sieht darin eine Erfolg versprechende verhältnispräventive Maßnahme und verweist auf ein Beispiel in Norwegen, wo 2007 ein landesweites Totalverbot für die private Aufstellung von Spielautomaten erlassen wurde. 

 

Veranstaltungshinweise

 

15.02.2017


Basis-Schulung Glücksspiel 
(Veranstaltungsort: Nürnberg)

22.02.2017


Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen
(Veranstaltungsort: Berlin)

19.02.2017


22. Suchtselbsthilfetagung im Land Brandenburg | Workshop zur Thematik Glücksspielsucht
(Veranstaltungsort: Potsdam)

16.03.2017


Glücksspielsucht in Beratung und Therapie
(Veranstaltungsort: Zürich)

15.-16.03.2017


Symposium Glücksspiel
(Veranstaltungsort: Stuttgart-Hohenheim)

24.04.2017


Verhaltenssüchte - Grundlagen, Beurteilung und Intervention
(Veranstaltungsort: Zürich)

06.-09.06.2017


22. Suchttherapietage in Hamburg
(Veranstaltungsort: Hamburg)

19.-20.06.2017


22. Deutsche Präventionstag
(Veranstaltungsort: Hannover)

21.-23.06.2017


Beratung bei pathologischem Glücksspielverhalten - Basisqualifizierung, Teil 1
(Veranstaltungsort: Potsdam)

24.06.2017


Pathologisches Spielen - Glücksspielsucht in der Ambulanten Therapie
(Veranstaltungsort: Düsselsorf)

28.06.2017


8. Bayerischer Fachkongress Glücksspiel
(Veranstaltungsort: wird noch bekannt gegeben)

13.-15.09.2017


Beratung bei pathologischem Glücksspielverhalten - Basisqualifizierung, Teil 2
(Veranstaltungsort: Potsdam)

27.09.2016


Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht
(Veranstaltungsort: deutschlandweit)

16.-17.11.2017


Auswirkung von Persönlichkeitsstilen auf die Beratung bei pathologischem Glücksspielverhalten
(Veranstaltungsort: Potsdam)

02.-03.12.2017

Rückfälle
(Veranstaltungsort: Wustermark)

 
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