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Präventionskampagnen des Präventionsprojekt Glücksspiel

Jedes große Turnier schreibt seine persönlichen Überraschungsmomente. Außenseiter, mit denen niemand gerechnet hätte, werden zum großen Favoritenschreck. Auch bei der Europameisterschaft 2016 gab es Mannschaften, auf die im Vorfeld sicher nur wenige ihr Geld gesetzt haben. Doch im Sport ist alles möglich. 

Das Wetten auf sportliche Ereignisse reizt viele Menschen. Bei geringen Wetteinsätzen stehen Spaß und Spannung im Vordergrund. Eine große Suchtgefahr bergen hingegen insbesondere sogenannte Live-Wetten, bei denen noch während des laufenden Spiels Geldeinsätze auf Ereignisse abgegeben werden können. Sie verleiten dazu, mehr Geld auf mehr Geschehnisse zu setzen als ursprünglich geplant. Wettbegeisterte überschätzen dann leicht ihre Kenntnisse und ignorieren, dass im Sport der Spielausgang auch dem Zufall unterliegt. 

Aktuelle Studien belegen, dass besonders 18-20-jährige Männer mit Migrationshintergrund gefährdet sind. Dabei ist vor allem der Anstieg der Teilnahme an illegalen Sportwetten besorgniserregend. Um auf das Suchtpotenzial von Sportwetten aufmerksam zu machen, hat das Präventionsprojekt Glücksspiel neue Postkarten und Plakate in arabischer, deutscher sowie türkischer Sprache entwickelt. 

Das Material wurde an zahlreiche Berliner Sportvereine verschickt und darüber hinaus im deutsch-türkischen Stadtmagazin Hey Berlin veröffentlicht. Mit einer Auflage von 10.000 kostenlosen Exemplaren in Konsulaten, Behörden, Vereinslokalen, Geschäften und Arztpraxen brauchen die Leser_innen keine weiten Wege gehen, um das Magazin zu erhalten. 

Ziel dieses Vorgehens ist es, vor allem junge Männer in ihrem direkten Lebensumfeld zu erreichen und sie für die Suchtgefahr von Sportwetten zu sensibilisieren. 

Poker hat sich in den letzten Jahren weit verbreitet. Aufgrund der zunehmenden Popularität – auch in Folge öffentlichkeitswirksamer Werbung durch Prominente – wird der Glücksspielcharakter von Spielenden zumeist ausgeblendet. Persönliche Chancen und Kompetenzen, das Pokerspiel zu beeinflussen, werden folglich oft überschätzt.

Dabei hat Poker eine eindeutig ausgeprägte Glücksspielkomponente. Das gesamte Spiel ist darauf ausgelegt, dass die Karten zufällig verteilt werden. Den Spieler_innen ist somit nicht bekannt, welche Karten ihre Mitspielenden erhalten oder welche Karten noch aufgedeckt werden. Letztlich gibt also der Zufall die Karten. 

Um diesen Umstand zu visualisieren, werden auf der Postkartenrückseite die Schach- und Pokerweltmeister von 2000 bis 2014 miteinander verglichen. Die Tabelle verdeutlicht, dass beim Poker auf Dauer der Zufall über den Spielausgang entscheidet. Denn während einige Schachweltmeister aufgrund ihrer Kompetenz viele Jahre ihre Titel verteidigen können, gibt es jedes Jahr einen neuen Pokerweltmeister.

Ziel der Kampagne ist es, für unrealistische Erwartungshaltungen und kognitive Verzerrungsmuster zu sensibilisieren. In Anlehnung an die sehr erfolgreiche Sportwetten-Kampagne arbeitete das Präventionsprojekt wieder mit dem Comiczeichner Helge Vogt zusammen, um über glücksspielbezogene Risiken aufzuklären und auf verantwortungsbewusstes Spielverhalten hinzuweisen. 

Über einen Zeitraum von 14 Tagen wurden im Jahr 2015 an 150 Locations über 44.000 deutschsprachige Postkarten in den Berliner Bezirken Kreuzberg, Neukölln und Mitte verteilt.

Im Jahr 2016 sind die Postkarten neben deutsch auch in arabischer und türkischer Sprache erschienen und können über das Bestellportal angefordert werden. 

Im Jahr 2013 zeigten knapp 800.000 Menschen in Deutschland ein problematisches oder süchtiges Glücksspielverhalten. Mehr als 75 % der Spieler_innen in ambulanten Suchtberatungsstellen waren den Geldspielautomaten verfallen.  

Glücksspieler_innen sind meist Hoffnungstäter, die mit allzu rationalen Botschafen nur schwer zu erreichen sind. Deshalb zielt die Kampagne darauf ab, die Botschaft emotional zu verankern.

Die Idee ist, Glücksspieler_innen aufzuzeigen, dass ihnen im Augenblick des Spielens am Geldspielautomaten eine falsche Erwartung suggeriert wird. Für diesem Umstand lassen sich viele bildliche Redensarten finden, welche in kurzen humorvollen Spots mit den Radiomoderatoren John und Rasheed von JamFM zur Vorsicht appellieren.

Im Jahr 2013 zeigten mehr als 800.000 Menschen in Deutschland ein problematisches oder süchtiges Glücksspielverhalten. Davon waren mehr als zwei Drittel der behandelten Glücksspieler dem Automatenspiel verfallen. Kognitive Verzerrungsmuster liefern eine Erklärung für die zunächst verwunderliche Tatsache, dass regelmäßiges Glücksspiel trotz zunehmender negativer Folgen aufrechterhalten wird.

Denn es liegt in der menschlichen Natur, auch bei zufallsbedingten Phänomenen einen logischen Zusammenhang herstellen zu wollen. So entsteht der Irrglaube, das Ergebnis eines Glücksspiels wäre voraussehbar oder ließe sich gar durch Rituale und Talismane steuern.

Diese Argumente werden von der potentiellen Zielgruppe vermutlich lieber negiert oder verdrängt. Deshalb entschloss sich das Präventionsprojekt Glücksspiel nach intensiver Kampagnenvorbereitung, die Botschaft "Spielautomaten machen reich! Aber nicht Dich! Da hilft auch keine Glückssträhne" in einem Filmspot kreativ zu transformieren, um die nötige Beachtung zu finden. 

Während der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien war die Werbung privater Sportwettenanbieter allgegenwärtig. Mit besonderen „WM-Angeboten“ versuchten die Anbieter, ihre Umsätze zu steigern und Neukunden zu gewinnen. Auch die Sportwettbüros in den Berliner Bezirken erfreuten sich während der Fußballweltmeisterschaft leider besonderer Beliebtheit.

Das öffentliche Interesse an der Fußball Weltmeisterschaft nutzte das Präventionsprojekt Glücksspiel der pad gGmbH, um auf die Risiken und Gefahren von Sportwetten aufmerksam zu machen. Über einen Zeitraum von 14 Tagen wurden ab dem 26.06.2014 Postkarten der Präventionskampagne „Sportwetten machen reich! Aber nicht Dich!“ in Bars, Cafés, Restaurants, Kinos und Fitness Studios in den Berliner Bezirken Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg/Neukölln verteilt. 

Um vor allem auch junge Menschen mit der Präventionskampagne zu erreichen, wurde der bekannte Comic-Zeichner Helge Vogt mit der Kreation des Motivs für die über 40.000 Edgar Freecards beauftragt.